Geburtsbericht #3

Abends war ich lange wach. Weniger nervös als die letzten Tage, weil ich mittags gut geschlafen hatte. Viel Bewegungsdrang, meine Hüften wollten laufen. 

Knack um Mitternacht: die Fruchtblase 

Als die Fruchtblase platzte, hatte ich noch nicht geschlafen. Das Knacken erinnerte mich erstmal an so knackende Fingerknöchel. Ein bisschen klebte es zwischen meinen Beinen. Dann muss das wohl Fruchtwasser sein. Bei den anderen beiden Geburten hatte ich längst Wehen gehabt, als die Fruchtblase aufging. 

Mit unregelmäßigen Wehen ins Krankenhaus 

Es muss kurz vor zwölf gewesen sein und ich konnte nicht im Bett liegen. Mein Becken tat weh, wie Muskelkater. Die Wehen, die dann kamen, waren alle ganz unterschiedlich und unregelmäßig, um 00:04 Uhr, 00:12 Uhr, 00:28 Uhr, 00:40 Uhr, dann schon in der Küche mit meiner Schwester (die für die Geschwisterkinder gekommen war). Die vier oder fünf Wehen im Auto und auf dem Krankenhausflur waren dann deutlich und heftig. 

Ins Geburtsbecken 

Ich gewöhnte mich an den drückenden Schmerz im Becken, der zwischen den Wehen blieb. Am CTG-Apparat durfte ich stehen; das war angenehm. Als die Hebamme mich um 1:30 Uhr vaginal untersuchte, stellte sie 3 cm Muttermund-Öffnung fest und meinte, während einer Wehe entstehe bereits ein guter Druck. Ich lag auf der Seite, bis genug Wasser im Geburtsbecken war. Im warmen Wasser war es herrlich. Am Tuch-Tau hängend konnte ich die Wehen gut annehmen. An Land hatte Ton (mein Mann) meinen unteren Rücken, die Hüften und Oberschenkel warm ausstreichen, immer nach unten. Jetzt im Wasser war es einfach gut, ihn neben mir zu haben. Ansonsten wollte ich in Ruhe gelassen werden. 

Eröffnungswehen

Um 2:30 Uhr bat die Hebamme an, meinen Muttermund nochmals zu untersuchen. 5 cm. Danach bekam ich heftigere Wehen. Die konnte ich gut annehmen und veratmen. Diese Wehen taten richtig weh. Ich stöhnte und schrie dann. Ich spürte unheimlich starken Druck nach unten. Auf einer Wehe ließ ich ein bisschen Stuhlgang los. Die Hebamme sagte zur Stationspflegerin, dass sie nachher den Frauenarzt rufen könne, wenn sie selbst klingeln würde.

Darf die jetzt schon kommen? 

Der Pressdrang kam wieder. Ich hatte plötzlich ein bisschen Angst, weil ich sie nicht halten konnte. Dann hab ich wörtlich gefragt: "Darf die jetzt schon kommen?", weil ich an die 5-cm-Öffnung von ein paar Minuten davor dachte. "Ja, langsam", sagte die Hebamme, "das ist jetzt zack aufgegangen." Sie begleitete mich darin, mitzuschieben und schlug auch vor, wann ich nicht zu feste drücken solle.

Ins Wasser geboren 

Mit meiner Hand im Wasser fühlte ich das ihr weiches Köpfchen. Bei der nächsten Wehe kam ihr Kopf aus meinem Körper ins Wasser. Es schmerzte, aber ich weiß noch, dass ich dachte: Ist sie schon da? Das war's schon? Albertas Körper fluppte dann ins Wasser mit der nächsten Wehe. Ich durfte selbst nach ihr greifen. Sie aus dem Wasser fischen. Sie auf meine Brust legen. Es war kurz vor drei. Tatsächlich war mein erstes Kind in 5, das zweite in 4 und das dritte in 3 Stunden geboren. Nicht zu fassen! 

An Land

Etwas höher, bat die Hebamme, sodass Alberta oberhalb des Wassers lag und wir sie mit einem warmen Handtuch bedecken konnten. Ton hockte direkt hinter mir neben der Wanne. Wir bewunderten sie und genossen den Moment. Die auspulsierte und abgeklemmte Nabelschnur solle er noch durchschneiden, meinte die Hebamme. Ungefragt bekam ich eine Spritze, um die Plazenta zu lösen. Etwas später (eine Viertelstunde?) durfte ich den Mutterkuchen einfach ohne Wehe und mit der Hilfe der Hebamme herausdrücken. Komplett, gesund, eingepackt für den Garten. 

Apgar und U1 und vaginale Untersuchung 

Der Frauenarzt stand inzwischen neben uns. Er wollte Alberta sofort kurz untersuchen, obwohl sie gerade eine Brustwarze gefunden hatte. Diese Eile fand ich schade. Das Wasser war weg. Die Hebamme half mir aufstehen und duschte mich ab. Mir wurde aus dem Becken geholfen und ich durfte im Nebenraum auf einem Bett liegen. Vaginale Kontrolle: keine Verletzungen. Wie wunderbar! 

Messen und wiegen 

Eine neue Gebärende war während meiner Presswehen gekommen; das war Zufall in diesem winzigen Provinzkrankenhaus mit 330 Geburten pro Jahr. Die Hebamme hat Alberta gemessen und gewogen; der Gynäkologe schrieb alles auf. Sieben Pfund, eine halber Meter und 35 cm Kopfumfang. 

Ankommen in der Welt -- Bonding 

Dann durfte Alberta einfach auf mir liegen: Haut auf Haut. Ich bekam noch eine Spritze in den Po: "Für die Rückbildung". Na gut. Ton versorgte mich mit Wasser, salzigen Keksen und einem warmen Kissen für die Seite meines Bauches, auf der Alberta nicht lag. Wir machten den Plan, dass Ton vormittags mit Erik (4 1/2 Jahre) ins Krankenhaus käme, während Jakob (fast 2) bei der Tagesmutter ist. Nachmittags würde Ton dann mit Jakob kommen, während Erik eine Kindergeburtstagsfeier hat. Gegen halb fünf fuhr Ton nach Hause: mit meiner Schwester sprechen und eine Stunde schlafen. 

Dämmerung 

Alberta und ich wurden im Bett in ein Zimmer geschoben. Sie saugte und schlief und ruhte. Ich sah die Morgendämmerung und genoss das Kind und mich. 

 

[Diese Eindrücke habe ich aufgeschrieben am Morgen nach der Geburt, im Mai 2019. Zwei Jahre später hab ich meine Einträge gekürzt und übersetzt.] 

Maria